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Frieden auf Arabisch heißt salâm

Sebastian Kurscheidt, Anne Britzelmaier, Clemens Ronnefeldt

ESG lädt den Referenten für Friedensfragen Clemens Ronnefeldt ein

Die Farben der ägyptischen Flagge –schwarz, weiß und rot – stehen für die dunklen Momente in der Geschichte des Landes, die strahlende Zukunft, der es entgegengehen soll, und für das Blut, das für diese Hoffnung vergossen worden ist. Nach der Revolution 1952 eingeführt, erinnert sie an die Abschaffung der Monarchie und die Ausrufung der Republik, doch steht auch die friedliche Revolution gegen das autokratische Regime Mubaraks Anfang des Jahres in diesem Geist: „Die Wahrheit braucht viel Blut, um Ägypten zu befreien“, wie es ein Demonstrant auf dem Kairoer Tahrir-Platz formulierte. Bis Mubarak am 11. Februar 2011 der Macht des Volkes nachgibt und zurücktritt, sind 847 Menschen gestorben. Hätten sich die Demonstranten jedoch nicht an ihren selbstverordneten Grundsatz der absoluten Gewaltfreiheit gehalten, wären deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen, die Revolution hätte sich diskreditiert und wäre wohl auch niemals an ihr Ziel gelangt.

Von den Ursachen der Revolution, der Atmosphäre auf dem Tahrir-Platz und den Zukunftsaussichten Ägyptens berichtete Clemens Ronnefeldt am Dienstag, den 15. November in der Aula des Edith-Stein-Gymnasiums (ESG) im Rahmen der Brettener Friedenstage vor Schülern der Oberstufe, Schulleiterin Annelie Richter und Oberbürgermeister Martin Wolff. Der Referent für Friedensfragen beim Deutschen Zweig des Internationalen Friedensbundes war im Januar nach Ägypten gereist und stellte nun seine Eindrücke in Bildern und kleinen Videoeinspielungen vor. Mit vorbereitet wurde die Podiumsdiskussion von den Schülern Anne Britzelmaier und Sebastian Kurscheidt, die auch die anschließende Fragerunde moderierten.

Die große Bedeutung des Friedens werde dadurch unterstrichen, dass seit 1914 kein Jahr ohne Krieg vergangen sei, bemerkte Oberbürgermeister Wolff in einer einführenden Rede und ergänzte in Richtung der Schüler, dass davon gerade die 17 bis 25-Jährigen betroffen gewesen seien, also eine Altersgruppe, „von der ihr gar nicht so weit entfernt seid.“ Annelie Richter, die vier Jahre in Riad lebte, betonte hingegen das zentrale Gut der Freiheit, für das Menschen sogar ihr Leben aufs Spiel setzten. Beide Aspekte treffen in Ägypten zusammen und lassen sich als Ursachen der Revolution benennen, denn im gesamten arabischen Raum ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter 25 Jahren und zugleich ohne Zukunftsperspektive. Die ägyptische Revolution wurde daher auch stark von dieser „Generation facebook“ getragen, die erstmals ihre eigene Situation mit der anderer Jugendlicher auf der ganzen Welt vergleichen konnte und dabei feststellte, dass Frieden eben nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern auch ganz entscheidend die Ausübung von Freiheiten und die Möglichkeit eines selbständigen Lebens aus eigener Anstrengung auch oberhalb der Armutsgrenze bedeutet.


Anne Britzelmaier, Sebastian Kurscheidt, Clemens Ronnefeldt, Martin Wolff, Annelie Richter

Mit dem Journalisten Kamil el-Ghawari und seinem Vater Magdi Gohari als Führer und Dolmetscher hat sich Clemens Ronnefeldt nicht nur die Tage der perfekt organisierten Revolution angesehen, sondern auch die allgemeinen Lebensverhältnisse in einem Land, das zu 96% aus Wüste besteht, in dem sich ein Viertel der Gesamtbevölkerung auf zwei Städte verteilt, zwischen Müllstadt und dicht gebauten Betonsilos lebt und jeder zweite unter zwei Dollar am Tag zum Leben hat. Dennoch hätte das nach Jahrzehnten des Nepotismus ausgeblutete Land alle Möglichkeiten zur Entwicklung, wie die in die Wüste gebaute ökologische SEKEM-Farm des Alternativen Nobelpreisträgers Dr. Ibrahim Abouleish zeigt, die 2500 Menschen Arbeit, Bildung und Lebensqualität bietet und damit ein Beispiel vorstellt, wie eine Zukunft aussehen könnte.

Der beeindruckende Erfolg der Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz hat zu einer politischen Veränderung geführt. Gelingt es jedoch nicht, auch entscheidende Verbesserungen der Lebensbedingungen herbeizuführen, könnte auf diese erste, überwiegend politische Revolution eine zweite, soziale folgen, die möglicherweise nicht mehr so friedlich verläuft. Die kommende Wahl am 28. November entscheidet somit auch darüber, welche Farbe der ägyptischen Fahne die Zukunft dominieren wird.

Thomas Merklinger


Clemens Ronnefeldt, Anne Britzelmaier, Sebastian Kurscheidt mit einer arabischen Pace-Fahne.
Der Schriftzug bedeutet „salâm“ - Frieden.

 

 
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